Artikel ::  Erfahrungsbericht: Paddlerproblem: die Ohren


Ohrenprobleme beim Paddeln?

Wer hatte als ambitionierter Wassersportler noch keine Probleme mit den Ohren? Auch wir Paddler sind davon häufig betroffen. Grade beim Kanu fahren auf kalten Gebirgsflüssen oder bei einer dauer Kopfwäsche, im örtlichen Playspot gelangt immer wieder zumeist kaltes Wasser an die Ohren. Vor allem die jenigen die keine Ohrstöpsel tragen, haben häufig am nächsten Tag das Gefühl taub zu sein. Da der Gehörgang der Maßen angeschwollen ist, das nichts mehr durch kommt. Doch wo ran liegt das? Und was kann man da gegen machen?

Warum entzündet sich der Gehörgang eigentlich? - Gehörgangsexostosen

Zum Schutze des Trommelfell besitzt der menschliche Körper, im Ohr kleine Knochenauswüchse die in den Gehörgang hineinreichen. So genannte Exostosen. Wie groß diese sind ist individuell und genetisch bedingt. Es gibt zu dem die Theorie, dass häufiges eindringen von kaltem Wasser dazu führt, dass die Exostosen sich stärker ausbilden. Das wiederum führt dazu, dass sich vor dem Trommelfell eine Art Mulde bildet.
Muss man nun zum Beispiel im Wildwasser rollen, gelangt Wasser in den Gehörgang und in diese Mulde. Durch die zum Teil extreme Verengung läuft das Wasser jedoch nicht ohne Probleme wieder aus dem Ohr. So mit wird der vermeintliche Schutz zum Problem. Denn das kalte Wasser sorgt schnell für eine Reizung und Entzündung des Gehörgangs. Die Folge: starke Ohrenschmerzen, die sich bis auf den Kiefer ausweiten können. Meist hilft hier nur noch ein Besuch beim HNO Arzt.

Wie kann man sich vor Gehörgangsexostosen schützen?

Ohrenstöpsel! Man sollte sie vor allem beim Freestyle fahren immer tragen. Und wichtig ist, nicht erst dann wenn man schon Probleme mit den Ohren hat. Dann ist es eigentlich schon zu spät.
Beim Wildwasserfahren sollte man abschätzen, wie sehr die Ohren belastet werden. Denn fährt man zum Beispiel einen gemütlichen WW III - Bach, bei bestem Wetter und hat man den Kopf eigentlich immer über Wasser, können sich Ohrstöpsel auch negativ auswirken. Durch die Stöpsel bildet sich dann gerne ein feucht warmes Klima im Ohr, das die Bildung von Pilzen begünstigt. Die wieder loszuwerden bedarf einer mehrwöchigen Behandlung vom Arzt und mit Ohrentropfen.

Was ist wenn ich mir meine Ohrenstöpsel zuspät zugelegt habe?

Das machen wohl die meisten. Es können unter Umständen auch Jahre dauern bis man Probleme mit dem Ohr bekommt. Bei manchen passiert dies vielleicht auch nie. Sollte es aber dennoch vor kommen und sich auch durch Ohrenstöpsel nicht mehr wirklich aufhalten, bleibt in der Regel nur noch ein Ausweg: die Operation. Man sollte sich jedoch nicht voreilig für eine OP entscheiden. Immer mehrere Ärzte zu Rate ziehen. Denn es ist und bleibt ein operativer Eingriff, der in der Regel unter vollnakose geschieht.

Was wird bei der Operation gemacht?

Bei der Operation wird das Ohr im hinteren Bereich vom Kopf getrennt und nach vorne geklappt. Von hieraus wird die Haut im Gehörgang angehoben und die darunter befindlichen Exostosen abgeschliffen. Sollten sich die Exostosen im Mittelohr fortsetzen, kann es sein, dass das Trommelfell vom Gehörgang gelöst werden muss, um die dahinter befindlichen Verköncherungen komplett zu entfernen. Dann wird alles wieder zusammen geflickt. Und wenn alles gut verheilt, kann man nach 6-8 Wochen wieder schmerzfrei auf den Bach gehen.

Hierbei handelt es sich um einen Erfahrungsbericht. Ich übernehme keine Gewähr auf Vollständigkeit und/oder Richtigkeit. Wer weitere Fragen hat, kann mich gerne auch anschreiben: thomas at playboaters.de



Weitere Infos:

verfasst von:  Thomas Hinkel